Freitag, 13. Januar 2017

Kommen Sie, nur Mut



Die Raben

Viel Spaß mit dem neuen
Gerät, sagt der vom DHL
Der Kuchen verbrennt
In der Röhre. Auf der Straße
Liegt Schnee. Es wird kalt.
Die Liebesbriefe erfriern
In der Schublade die Raben
Kreisen über dem Weg.
Kommen Sie, nur Mut
Sagt der Kumpel am Eingang
Des Stollens. Wir schaffen das
Bis die Sonne versinkt.

Das Pochen im Ohr



Das Pochen

Das Pochen im Ohr ist
Größer am Abend das Herz
Rast durch das All. Ich
Falte die Hände, schweigend
Erwartend die Nacht. Morgen
Kommt Schnee, sagt
Der Wetterbericht.

Mittwoch, 10. August 2016

Ins Lapisblau

(c) Foto: Simone Felgentreu

Wir sind

Als diese glutroten Steine
Ins Lapisblau stießen
Hielten die Götter die Luft an.
Still starrten die Kiefern
Vor Ehrfurcht gebeugt
Und wandten sich ab
Hin zum Profanen.


Samstag, 19. Dezember 2015

Aus der Provinz

Nachricht aus der Provinz

Als Jesus ging nach Golgatha
Da war der Kaiserschmarren fertig
Die Gans verstreut und abgenagt, ringsum
Europa lag verbrannt und Uniformen
Grüßten aus den Steppen. Mit ihnen
Kamen Fremde, Elefanten
Seerosenblätter, kleine Fische.
Es brannten Häuser, Hallen
Ein Vogelparadies, dies Land.
Es schrien die Leute gegen Fremdheit
An, es schrien Leute gegen Fremde.
Sie warn wie Kaffernbüffel trotzig
Kein Löwe hielt sie auf, kein Mensch.
Der Glühwein dampfte rosarot
Wir gingen shoppen ohne Schnee
Blühten die Kirschenbäume
An einem, kahlen, hing der Heiland
Gekreuzigt und wiedergeboren.


Das Flüstern, das Schreien der Schritte


Was hab ich gehört
Das Flüstern, das Schreien der Schritte.
Was hab ich gerochen
Das Blut und das gurrende Fleisch
In dieser eiskalten Nacht.

Wir trocknen aus
Uns, aus fliehenden Schatten.
Die Augen geschlossen
Bewegen ein Leben.

Krallen krallen sich
In unsere Häute. Ein Fleck
Auf der Fahrbahn grüßt
Wer über ihn stolpert.

Der Schädel in meiner Wüste
Liegt brach. Ein Tag
Hat begonnen. Ein
Kuckuck ruft über
Meinen verlorenen See.


Montag, 30. November 2015

Schlamm, Staub

Lebenslauf 

Ich geh hinaus
Ich fürchte mich
Die Helle, 's Grün
Nacht, Nebel.
Fühle Sonne
Die mich verbrennt
Und Regen
Nässenden Regen
Schlamm, Staub
Einen harten Wind
Der mich fortträgt
Wohin.


Leben im Konjunktiv

Steh


Ich steh vor
Dieser Wand aus Katzen
Futter Bytes und Nullen
Einsen denen Masken
Wachsen. Wünsche mir
Papier zu streicheln
Für ein neues
Leben im Konjunktiv.


Montag, 9. November 2015

Nebenher blüht die see




Du 

1
Warum gehst du – der raps riecht
Heut nach unsrer beider häute –
Nicht übers feld, das gelb mir ins aug’ sticht.

Geblendet weh ich mich fort
In deinen lachenden schatten.
Vier augen voll tau unsrer nacht.

Nebenher blüht die see seltsam blau.
Warum diese farben immer
Warum gehst du nicht über den see.

(aus: schneezu. Tredition 2013)

kneipengedicht




Frühe (bla-bla)

       noch ein kneipengedicht

Den fröstelnden nächten berlins
Wirds warm in den kneipen,
Frühmorgens, wenn himmel blaut
Und träumende schatten
In trams eingepfercht stehn.
Und die bizarren augen
Neben dem schanktisch
Sich in dem einen besonderen
Schatten verliern.