Dienstag, 12. August 2014

Collage

Berlin


Gebündeltes Schweigen. Dunst in der Stadt der Gespenster. Geh die Unwägbarkeiten der Wege, verlier mich in wirrenden Düften und Körpern. Sinnfreie Pracht. Im Unglücksnest zwischen Strömen.
Aus wilden Wassern des Straßengedächtnisses taumelt ein Soldat an Land, 'nen Strauß wilder Schüsse im Arm. Auf dem Landwehrkanal schwimmen Ausflugdampfer wie Panzer. Der Himmel, Europa, bläut trügerisch: Tod tanzt Tarantella am Ufer zwischen den Leibern.
Werden wir wohl diesem Heiligen die gefesselten Füße küssen nach all uns'ren Schlachten?
Sanduhr-Sand rinnt durch die Hände ans unaufhaltsame Ufer. Es gibt kein Entkommen und Gehen. Ich tret in die steinerne Topografie alles Gelebten, Blick und Wort verschwisternd, enthauch ich Sentenzen. Doch keine Insel enttaucht der Zeit.


1999

Mittwoch, 6. August 2014

In der Kammer des Ungeahnten




Aus dem zweiten Stock

Inszenierung der Lügen, ein Wasserstrahl
Trifft dich am Kopf und dann stirbst du.
Träge trauern die Freunde im Schnee
Unsrer Träume. Aber der Abgrund
Fasst uns am Arm, warnend erhebt
Sich der Schatten, liebend der Kuss
Den er mir gab als Nacht war
Und ich dem fremden Stöhnen geglaubt
In der Kammer des Ungeahnten
Vergnügens Leben.

Alles ist nur Wiederholung. Alles





Zwischen der Welt

Oberhalb des Auerochsen klebe ich
Enki, aus Lehm gebaut, werd wieder
Zu Lehm, zum Bild in der Höhle.
Aber was wissen wir von der Welt.
Die Peitschenhiebe brannten sich uns
In die gewundenen Hirne und Häute.
Alles ist nur Wiederholung. Alles
Noch da, nur die Toten nicht:
Zwischen dem Mittelmeer meiner
Trauer und der Heiligen Stadt. Gebäre
Euphrat, Tigris aus meinen Schultern.
Durch Ziegenfischschatten schwimmt
Ein Widderkopf, eine Muschel, die rauscht
Verräterisch durch mein Ohr ein Lied
Von den Schwestern, den sieben,
Im Ostwind, vierzig Tage lang
Während die Sonne alles verbrennt
Der Hinkefuß Freiheit, die Welle
Die Welt, diese verzogene Frau,
Uns Götter wie Menschen nur quält.

Montag, 4. August 2014

Blauer Morgen, blauer Abend, blaue Nacht






Hüpfende Schatten

Kalte, kalte, kalte Augen, und Cembalomusik.
Vielleicht auch Violinen, Essbesteck. Und
Blauer Morgen, blauer Abend, blaue Nacht.
Zigarette zwischen dem Schweigen, Südseite
Gemeinschaftshaus am Ende des Flusses.
Schwarze, dicke Schatten weinen schlagen
Drängen ins Nichts wie in die Hölle.
Wohin führst du mich. Gelbe Monde prangen
Zwischen den Räumen, ein Elefant lacht
Trampelnd in meiner grünen Straßenbahn.
Leerer Raum, fünf Stühle, lila-grau-oliv.
Er bombt uns zu, die Stille schreit, ein Schuss.
Das Stoppschild warnt, wir gehen weiter.
Fragen Sie ihn, schreit jemand, Schatten.
Die Farbe weicht aus uns, das schmutzige Geschirr.

Freitag, 1. August 2014

Windrad vereinsamt zwischen den Nebeln




Krimi

Ein Windrad vereinsamt zwischen den Nebeln
Schuhe warten geputzt vorm Gebüsch. Drei
Gänse schnattern über das Wetter, aber der Hund
Gibt dem Blaupfau den Vorzug, der Rad schlagend
Dem andern Geflügel sich zeigt. Im Grase der Bauer
Von Fliegen umschwirrt, hat den Planeten verlassen.
Die Flasche Weinbrand, halb voll noch, schwimmt
Gegen den Strom in die Scheinwerfernacht.
                                                              
                                                               (2014)

Trocken lachen die Rapsfelder


Kunst vergeht


Alles
Ist da. Die Blüten meiner Lupinen
Sind nicht aus Sandstein gemeißelt,
Sie riechen nach Staub. Eine
Rose ist keine Rose aus Stahl.
Ihr Geruch trägt Libellen
Vom Ufer des Sees auf das Land.
Trocken lachen die Rapsfelder
Im schwülen Abendwind.
Aus dem Holunderbusch grinst
Kurz ein Mond vor der Stille
Bis der Kirschbaum leise flüstert
Als Jungengesicht und vergeht.
Des Apfelbaumes Stamm ist Leib
Eines Mädchens im Schnee.
Die Wiese ein Tisch, lass ihn
Uns decken mit Hammelbraten
Oder Pflaumenkuchen, um den
Sich die Wespen streiten und Kunst
Vergeht.