Montag, 26. Mai 2014

Leben

Sein

Tod ist
Nicht Leben
ist Tod.
...
Leben
Ist Leben.
Leben ist.
...
Tod ist
Tod.
                      (2014)

Samstag, 24. Mai 2014

über dem durchgang in eine andere welt ...

   
zelten in rheinsberg
während unsere schultern die harten holzlatten des bootsstegs spüren. während wir in den sternklaren nachthimmel schauen. während wir zurückschrecken vor den klängen trunkener tramper. während wir versuchen, einander näher zu kommen, sehen wir einander und sehen wir nur wieder uns selbst. im sich spiegelnden wasser des schaumigen sees. ich bilde kein kreuz im gegenlicht. des mondes. der voll und rund grinst. wie du. deine sanften braunen augen. im arglos offenen gesicht. die ich küssen möchte. selbst in der nacht dieses vollen monds. neben mir atmet der wasserkanister bier aus. es schmeckt schal. wie mein lachen. wie mein erinnern. das mich fortträgt. zu meinen wurzeln. wohin ich allein geh. ohne dich. ohne deine sanftbraunen augen, die ich küssen möchte. wie dich. aber mein erinnern bewahrt mich. für kurze zeit. wie hieß das mädchen, meine erste liebe. hab ich's vergessen. lächle nur. elke. marie oder desdemona. othello. hamlet. sein oder nicht sein. das ist keine frage. so schön war sie. und so korrupt. ihre alten herren. ich erinnere es dunkel. holten sie ab. einer nach dem andern. während ich oben in der küche hockte und spiegeleier in die pfanne haute. sie hatte spiegelblaue augen. blondes haar wie weizenstroh. sprudelnd quirliges lachen. aus einem schön geformten mund. ihre brüste hätt ich gern probiert. ihr lachen verschluckt. während ich bauernfrühstück, ham and eggs produzierte. über dem durchgang in eine andere welt. wer will schon erzählen. vor diesen augen. die mich anstarrn. wie der mond. sanft. tief. unergründlich. während ich mich erinnere. ohne erinnerung. an diesem lauen sommerabend am see bei rheinsberg. unter mir krebsen die krebse. über mir kreiselt der mond. in mir kreist dein sanfter blick. und die erinnerung. tief. unergründlich. während ich märchen erzähl. aus tausend und noch einer nacht. was hab ich alles nicht nicht erlebt. was werden wir alles nicht nicht erleben. wenn die zeit uns davonschwimmt. wie ein strohhalm in der strömung. ein strohhalm von einem weizenfeld. so gelb, so, wie ihre weizengelben haare. unter einem spiegeläugigen himmel. auf erdfarbener haut. was haben wir nicht. erlebt. während unsere schultern die harten holzlatten des bootsstegs spüren. möcht ich deine sanften braunen augen küssen. und deinen ewig lächelnden mund. gerade, wenn du noch einen krebs aus dem wasser holst. damit er auf dem bootssteg entlangkrebst. um ins wasser zu fallen. zwischen den beiden latten, die uns voneinander trennen. wie die jahre. meine erste liebe. hab ichs vergessen. hab ich. mich. während der mond im see schaukelt, breit grinsend, wie du. traurig. wie ich.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Herbst, Rückblick



Zuspruch im Herbst

Demut, du Schlange, stirb!
Stirb und klebe, wo immer!
Ach! Verirrtes Gemüt, du
Kochst dir einen Absud
Aus Seerosentrauer!

Im Nebel zaubern
Lichtlose Schatten die Welt.
Zerleg mich und bastle
Eine Knochenkette
Und hänge sie in den Wind.

Das ledere Herz wird Kopf,
Die Lunge ein Baum, der wächst
An Rippen durch Schädel
In Lava hinauf, das Blut
War, als ich es noch brauchte.

Fürwahr, den Deppen Natur
Zu heilen ist aller Ehren wert.
Der Herbst verendet,
Es sterben die behämmerten Seerosen,
Und selbst die Götter bleiben fern.

(2014)

Seerosengedicht



Das Sterben der Seerosen


Seerosen bluten in den See.
Sie bluten weiß und mächtig.
Vergessen sich – würdig und sinnvoll.
Weiß! schäl ich mich aus meinem Leib,
Rosa blutet der See sich aus ...
Ach, was vergessen, was sterben?
Die Leben: Vergessene Seerosen!
Weiß bluten die Seerosen, weiß und traumlos.
Ich.

(2014)

Mittwoch, 21. Mai 2014

letztes für heute, aus: Heinrich beats the drum



 das blaue babel

 das blaue babel: und einstimmig singen die chöre
schlager nichts als schlager durch die gassen
des turms: und die männer in der kneipe starren
auf die brüste verschleierter fraun. oder auf mich.
denn ihre augen lächeln diskret. denn dieser blaue himmel
von babel ist so unendlich tief wie die augen der männer
und weit offene fenster laden dich ein: und das lächeln
der fraun unter den masken der männer klingt hell
wie engel die lachen, die lachen dich aus: o mann.
der du bist und frustwandelst zwischen den stühlen
der träume und denen der nächte und denen der sehnsucht
das blaue babel: und einstimmig singen die chöre
ihr heilloses lied von der lieblosen sünde.

Spiegel ... , aus: Heinrich beats the drum



 im spiegel meiner augen

 im spiegel meiner augen
seh ich das tier die bestie
das dornbestückte herz
- waffe ohne munition -
um meiner seele narben zu verdoppeln
und schmerz mein heilig-grauer altar
dem ich mich opfre: steht mir zum hals
hin gegen nacht in mir das wort:
der satz - die huren
unsres mensch-nicht-seins.
sie holzen regenwälder unsrer träume ab
des sinns und pflanzen stacheldraht
in offne wunden ein: die öde landschaft
leben, und schwarze tauben greis schon schrein
nach schwarzen seelen, die nun baden gehn
in schwarzen ozeanen flüssen:
im schwarzen fluch der macht
im spiegel meiner augen
seh ich das tier: und kampferhobnen schwanzes
lauf ich davon aus mir in mich.

Kneipengedicht, aus: Heinrich beats the drum



rosa kneipenballade


rosa spülte sich mein blick gegen die augen
des traurigen obers am tresen: warum nur
fühlte ich meinen körper nicht mehr?
die ahnung von zukunft schmerzte im brustkorb
und lieh mir die kraft für ein heiteres lächeln
es wehte zurück, prallte gegen die stirn
eine welle zigarrenrauch trieb mir die tränen
am morgen das frühstück fand ohne mich statt.